ADHS | Hyperaktivität oft durch Umgebung ausgelöst?

ADHS

ADHSBereits 1845 beschrieb der Arzt Heinrich Hoffmann in seinem Buch „Der Strupelpeter“ einige typische Merkmale der psychischen Störung ADHS. 1902 erläuterte der Kinderarzt George Frederic Still das Krankheitsbild erstmals in einem wissenschaftlichen Kontext.

Heute liegen etwa 19.000 Forschungsarbeiten zu dem Thema vor und doch scheint man der Ursache noch nicht gänzlich auf die Spur gekommen zu sein. Auffällig ist, dass sich diese Diagnose zu häufen scheint, doch woran liegt das?

ADHS – Was ist das?

Die Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine psychische Erkrankung die vor allem im Kindesalter Auftritt. Schätzungsweise zeigen 3 – 10 % aller Kinder zwischen 6 und 10 Jahren dieses Krankheitsbild. Bei Erwachsenen schwanken die Angaben zwischen 1.3 und 4,7 %. Da sich Experten und Diagnosesysteme bezüglich einer endgültigen Diagnose und den Symptomen nicht gänzlich einig sind, bleiben die erhobenen Daten Schätzwerte.

Bei vielen Leitsymptomen sind sich die zwei führenden Diagnosesysteme ICD10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) und DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) allerdings einig. Zur Diagnose einer ADHS müssen Patienten in einem Zeitraum von mindestens 6 Monaten folgende Symptome zeigen:

  1. Unaufmerksamkeit
  2. Überaktivität
  3. Impulsivität
  4. Zusätzliche Kriterien wie z.B. der Beginn der Störung vor dem 7. Lebensjahr und das Auftreten einzelner Symptome in verschiedenen, voneinander unabhängigen Situationen

ADHS-Ursachen und Theorien

Lange ging man davon aus, dass ADHS ein simpler Erziehungsmangel ist. Neuere Studien zeigen allerdings, dass eine Verkettung von vielen Faktoren die Ursache ist. Zum einen liegt vermutlich eine genetische Disposition vor, zum anderen sind jedoch auch Einflüsse aus der Umgebung der Auslöser.

Ungünstige psychosoziale Bedingungen wie z.B. ungeordnete Familienverhältnisse oder permanente Reizüberflutung sind als Ursachen im Gespräch. Es handelt es sich hierbei um Faktoren, die einer sowieso schon gestörten Hirnchemie oftmals den Rest geben. Der eigentliche Grund für eine ADHS Erkrankung ist eigentlich eine Stoffwechsel- bzw. Funktionsstörung im Gehirn.

Allem Anschein nach kommunizieren die Hirnareale die für Konzentration und Impulskontrolle zuständig sind nicht fehlerfrei miteinander. Dadurch kommen die sogenannten Neurotransmitter (Dopamin, Noradrenalin) in ein Ungleichgewicht und die Abwärtsspirale nimmt ihren Lauf. Diese These wurde mit verschiedenen bildgebenden Verfahren (wie z.B. mit der Positronen-Emissions-Tomografie PET) belegt.

Natürlich wirken sich Umwelteinflüsse zusätzlich negativ auf die gestörte Hirnchemie aus:

  • Scheidung, Trennung, Verlust eines Elternteils
  • Psychische Erkrankungen eines oder beider Elternteile
  • Häufige Zwistigkeiten in der Familie
  • Armut und beengte Wohnverhältnisse
  • Keine Erziehung, fehlende Regeln und Grenzen
  • Kritik, Bestrafung, Gewalt
  • Keine Struktur im Tagesablauf

Fazit

Etwa 10 – 15 % der an ADHS erkrankten Patienten sind nah mit anderen ADHS-Erkrankten verwandt (1. und 2. Verwandtschaftsgrad). Bei eineiigen Zwillingen beträgt die Gefahr das beide an ADHS erkranken etwa bei 80 %. Es kann also von einer genetischen Vorlage ausgegangen werden. Dennoch braucht es noch weitere Faktoren zum Ausbruch. Eine fehlerhafte Verarbeitung von Informationen im Gehirn wird möglicherweise durch frühkindliche, psychosoziale Faktoren begünstigt. Ständige Reizüberflutungen stehen im Verdacht und auch gesundheitsschädliche Einflüsse begünstigen den Ausbruch. Dazu zählen Alkohol-, Nikotin- und Drogenmissbrauch.

Bildquellen
Artikelbild: ©panthermedia.net Randolf Berold

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