Keine Lust auf Lernen – Wenn die Motivation nachlässt und was wir dagegen tun können

Wenn die Motivation nachlässt | © panthermedia.net / TONO BALAGUER Wenn die Motivation nachlässt | © panthermedia.net / TONO BALAGUER

Am Anfang ist die Schule noch sehr aufregend, jeden Tag lernen die Kinder neue Leute kennen. Sie lernen lesen, schreiben und rechnen, nach der vierten Klasse kommen sie auf die weiterführenden Schulen. Auf einmal sind die Kinder wie ausgewechselt, kommen erschöpft und müde von der Schule, die Hausaufgaben werden auf den Abend verschoben und auch dann muss man sie eher zwingen. Die frühere Freude am Lernen ist komplett verflogen.

Wenn die Motivation nachlässt

Wenn Kinder immer weniger Lust am Lernen und an den Hausaufgaben zeigen, dann kann das verschiedene Gründe haben. Manche Kinder sind halt manchmal ein bisschen faul. Durchgehen lassen, darf man ihnen das aber nicht. Es kann auch an erhöhtem Leistungsdruck liegen, dem Kinder in diesem Alter noch nicht gewachsen sind. Während Kinder im Grundschulalter noch mit Freude ihren angeborenen Wissensdurst stillen wollen, so haben ältere Schüler in der 7. und 8. Klasse oftmals gar keine Lust mehr aufs Lernen. Auch Frust kann hier eine Rolle spielen. Wenn Leistungen zu oft als nicht ausreichend abgetan werden, verlieren Kinder die Motivation, überhaupt noch etwas zu tun.

Warum nimmt die Lust ab?

Motivation muss von innen kommen | © panthermedia.net / Cathy Yeulet

Motivation muss von innen kommen | © panthermedia.net / Cathy Yeulet

Es ist nun mal meistens so, dass sich ein Lernerfolg nur einstellen kann, wenn auch vorher fleißig gelernt wurde. Darauf haben Kinder aber mit zunehmendem Alter immer weniger Lust. Aber woran liegt das überhaupt? Das deutsche Bildungssystem baut einen immer höheren Leistungsdruck auf, indem gute Noten das Maß aller Dinge sind. Ohne gute Noten erreicht man später nichts im Leben, ist die Devise. Dieser Erfolgsdruck lastet vor allem auf den Schüler, aber auch Lehrer und Eltern sind davon betroffen. Erzielen die Kinder keine guten Noten und haben später keinen guten Abschluss, haben sie nur wenig Zukunftschancen. Die NC’s werden immer höher und auch Ausbildungsplätze gibt es nicht mehr für jeden.

Auch auf den Lehrern lastet ein enormer Erfolgsdruck, sie tragen schließlich eine große Verantwortung. Leisten die Kinder nicht das, was sie sollen, wird es zuerst auf den Lehrer geschoben, bevor ein Blick auf den eigentlichen Schüler, sein Lernverhalten oder sein Umfeld geworfen wird. Das Lehramt erfordert einen Spagat zwischen der Förderung der hochbegabten Schüler, die schneller lernen als die anderen (sie sollen nicht unterfordert sein) und den Schülern, die etwas langsamer sind und länger brauchen, um Dinge zu verstehen. Sie dürfen nicht vernachlässigt werden und müssen die Möglichkeit haben, in ihrem Tempo zu lernen. G8 und PISA sind dabei auch nicht gerade hilfreich. Den Schülern und Lehrern wird somit einfach die Zeit genommen, die Schüler werden durch ihre Schulzeit gehetzt.

Durch diesen Erfolgsdruck entwickeln Kinder mehr oder weniger bewusst Vermeidungsstrategien, um das Lernen umgehen zu können. Das passiert oft heimlich, sie wollen ihre Hausaufgaben lieber im Zimmer machen als in der Küche und wir als Eltern wundern uns, warum immer mehr schlechte Noten ins Haus flattern.

Was können die Eltern tun?

Die Eltern müssen motivieren | © panthermedia.net / nyul

Die Eltern müssen motivieren | © panthermedia.net / nyul

Generell kann man die Motivation der Kinder in zwei Kategorien aufteilen. Der intrinsischen- und der extrinsischen Motivation. Die intrinsische Motivation ist eine innere, aus sich selbst entstehende Motivation, die extrinsische ist eine, durch äußere Reize hervorgerufene Motivation, die von Belohnung (gute Noten) und Bestrafung (bei schlechtem Prüfungsergebnis: schlechte Noten) lebt.

Das Gelernte muss aus eigenem Antrieb verstanden werden wollen, es muss die Kinder interessieren. Das das nicht immer möglich ist, ist klar. Lehrer setzen auf die extrinsische Motivation, also durch gute Noten gute Leistungen zu erzielen. Ferner macht es ebenso wenig Sinn, wenn die Eltern selbst versuchen, als Nachhilfe zu fungieren, denn das führt oft nicht zum gewünschten Ergebnis, sondern zu Streit und Wutanfällen.

1. Ein gutes Lernklima

Es ist wichtig, dass zuhause ein gutes Lernklima herrscht. Die Schule sollte nicht zum Hauptthema der Familie werden. Fragt vielleicht nicht jeden Tag beim Mittagessen, was es Neues der Schule gibt. Wenn euer Kind etwas erzählen möchte, dann wird es das von alleine tun. Hat euer Kind Probleme mit dem Vokabeln lernen, dann könnt ihr es beispielsweise mit einer Lernreise motivieren. Bei einer Reise ins Ausland, wie nach England, können sie ihre neuen Sprachkenntnisse dann gleich austesten.

2. Durchatmen und Beruhigen

Einfach mal durchatmen! | © panthermedia.net / Horst Hellwig

Einfach mal durchatmen! | © panthermedia.net / Horst Hellwig

Morgen wird die Mathearbeit geschrieben und der Stoff will einfach nicht in den Kopf rein? Um 10 Uhr abends immer noch mit seinem Kind am Schreibtisch zu sitzen und zu lernen ist absolut kontraproduktiv. Ab einem bestimmten Zeitpunkt kann das Gehirn keine neuen Informationen mehr aufnehmen und speichern. Besser ist es, wenn ihr euch gemeinsam beruhigt, ein paar mal tief durchatmet und schlafen geht. Morgens können nochmal die Übungen wiederholt werden, die einigermaßen sitzen. Ein Erfolgserlebnis so kurz vor einer Prüfung kann wahre Wunder bewirken.

3. Selber entscheiden lassen

Wenn euer Kind nach der Schule nicht mehr richtig denken kann und seine Schulaufgaben lieber abends erledigt, dann ist das so und ihr solltet es akzeptieren, denn: Nicht jeder lernt gleich. Sagen die einen, man können nur in einem sauberen und aufgeräumten Umfeld klar denken, so brauchen die anderen ihr kreatives Chaos.

4. Leistungsdruck nicht übernehmen

Euer Kind hat in der Schule schon genug Stress. Es ist nicht förderlich, wenn es für schlechte Noten Ärger bekommt und nur bei Bestnoten belohnt wird. Das ist nicht nur kontraproduktiv für seine Motivation, sondern auch für sein Selbstbewusstsein. Stärkt stattdessen den Rücken eures Kindes und überlegt bei schlechten Noten gemeinsam, woran es gelegen hat.

5. Lernen im Alltag

Ein gutes Lernklima schaffen | © panthermedia.net / Phovoi R.

Ein gutes Lernklima schaffen | © panthermedia.net / Phovoi R.

Lernen sollte man nicht nur in der Schule. Auch die Lerninhalte sollten in den Alltag mit eingebracht werden. Beim Backen kann man ein bisschen Rechnen üben und Museumsbesuche machen mit der Familie gleich viel mehr Spaß. Auch modernisierte Fassungen von geschichtlichen Themen können dabei helfen, die Vorgänge besser zu verstehen.

Achtung: Belohnt werden sollte nicht immer nur mit Süßigkeiten, Fernseh- oder Computerzeit, denn diese Belohnung hält nur kurzfristig an und bewirkt, dass die Kinder die Motivation zum eigenständigen Lernen komplett verlieren.

Fazit

Die Kinder haben es nicht leicht in der Schule. G8 und leistungsfanatische Lehrer machen ihnen das Leben schwer. Was wir als Eltern dabei tun können ist klar: Unterstützen, wo und wann immer es geht. Auf keinen Fall dürfen wir den Leistungsdruck, der im schulischen Umfeld aufgebaut wird, zuhause weiter aufbauen. Lobt sie, wenn eure Kinder aus eigenem Antrieb lernen, nicht nur, wenn sie gute Noten mit nach Hause bringen. Das motiviert und stärkt das Selbstbewusstsein!

Artikel bewerten

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*