Kinderkrippen in der Kritik

Warum Krippe nicht gleich Krippe ist!

Kinderkrippe

Im Zuge der Gleichberechtigung der Frau in der Arbeitswelt werden oft Kinderkrippen als Notwendigkeit und als unumgänglich angeführt. Die Krippenplätze sollen ermöglichen, dass die Vereinbarkeit von Kinder und Beruf besser wird und vielleicht auch die Geburtenrate wieder steigt, da sich durch Kinderkrippen Frauen nicht mehr zwischen Beruf und Kindern entscheiden müssen.

KinderkrippeAls Hauptargument für eine flächendeckende Einführung von Kinderkrippen wird aktuell angeführt, dass durch Kinderkrippen besonders Kinder aus Elternhäusern, in denen schlechte Bedingungen herrschen, besser gefördert werden können. Somit sollen die Krippen auch ein Schritt hin zu mehr Chancengleichheit in der Gesellschaft sein. Doch wie sieht es wirklich mit der Kinderbetreuung in der Krippe aus? Ist Krippe gleich Krippe oder gibt es dort Unterschiede? Was sollte man bei der Entscheidung für einen Krippenplatz berücksichtigen?

Auswirkungen von Krippen und Kitas

In der DDR wurden in den 50er Jahren das Angebot an Krippen und Kitas massiv erhöht. Doch das erhöhte Angebot an Krippenplätzen führte nicht zu einem Geburtenwachstum. Krippenplätze allein haben also wahrscheinlich keinen direkten Einfluss auf die Geburtenrate.

In den 90er Jahren wurde eine US-Langzeitstudie mit dem Namen „Early Child Care and Youth Development“ vom Institut „National Instiute for Child Health and Human Development“ (NICHD) durchgeführt. Untersucht wurden die Auswirkungen einer langfristigen Unterbringung von Kleinkindern in Kita, Krippen oder ähnlichen Einrichtungen. Von Geburt an wurde die Entwicklung der Kinder beobachtet und mittels Fragebögen erfasst, die Eltern, Erzieher und später dann Lehrer auszufüllen hatten. Abgesehen davon wurde überprüft, wie gut die Kinder in Mathematik und Lesen sind und wie groß und umfangreich ihr Wortschatz wird. An der Studie nahmen über 1300 Kinder teil. Die Studie wurde durchgeführt, bis die Kinder die 6. Klasse erreichten.

Die Studie hatte mehrere Ergebnisse erzielt. Der Wortschatz der Kinder war stark von der Qualität der Krippe abhängig. Bei einer guten Krippe wurde der Wortschatz der Kinder wesentlich größer und ausgeprägter. Das Elternhaus spielte aber dennoch eine noch größere Rolle. Von der Betreuungsqualität des Elternhauses war der Wortschatz noch mehr abhängig, wie von einer guten Krippenbetreuung. Daneben hatte das Elternhaus einen großen Einfluss auf die Fertigkeiten des Kinds im Bereich Mathematik und Lesen. Die Krippenqualität beeinflusste diese beiden Bereiche nicht.

Die US-Studie zeigte, dass Kinder, die eine fürsorgliche Betreuung von ihren Eltern erhielten, später in der Schule weniger aggressiv waren. Daneben hatten diese Kinder ein besseres Sozialverhalten und auch die Arbeitshaltung war besser. Außerdem hatten diese Kinder oft Vorteile im Lesen und in Mathematik. Für gute soziale und geistige Kompetenzen der Kinder ist also nicht unbedingt der Besuch einer Krippe oder einer Kita zwingend. Wer jedoch Arbeit und Familie unter einen Hut bekommen möchte, wird an einer Krippe nicht herum kommen.

Kinderkrippen in der Schweiz

SchweizDie Schweiz gehört zu den Vorzeigeländern, wenn es um die Kinderbetreuung geht. In der Schweiz gehören beispielsweise hoch-qualifizierte Kinderkrippen nicht zur Ausnahme, sondern zum Alltag. Hier gibt es ein flächendeckendes Netz von Krippen, was im Vergleich zu unseren Einrichtungen auch wesentlich besser ausgebaut wurde. Spezielle Beratungsstellen des Staats helfen Eltern einen geeigneten Krippenplatz zu finden und einige Kinderkrippen in Luzern bieten sogar die Online-Anmeldung an, wie man bei der verlinkten Seite auch schön sehen kann. In Deutschland müssen die Eltern dagegen selber einen Krippenplatz suchen und in der Regel erwarten sie lange Wartelisten.

Die Fachkräfte in den Schweizer Krippen sind sehr gut ausgebildet und können somit die Kinder entsprechend gut fördern. Durch die gute Krippenabdeckung, wird das Angebot in der Schweiz besser genutzt, wie es in Deutschland der Fall ist. Daneben werden im Nachbarland verstärkt Angebote von Tagesmüttern und Nannys in Anspruch genommen. Doch wie sieht es eigentlich bei uns aus?

Kinderkrippen in Deutschland

DeutschlandIn Deutschland gibt es derzeit staatliche und private Kinderkrippen. Die staatlichen Kinderkrippen werden, wie der Name schon sagt, vom Staat gefördert. Deshalb sind die Monatsbeiträge meist auch günstig. Ein Blick in die staatlichen Kinderkrippen zeigt jedoch, dass billig nicht unbedingt gleich gut sein muss. Im Mittel kommt in den alten sowie in den neuen Bundesländern ein Erzieher auf etwa neun Kinder. Erfahrungswerte in Finnland haben gezeigt, dass mindestens ein Erzieher für vier anwesende Kinder zuständig sein sollte. Nur so können die Kinder einzeln speziell gefordert und ihre Bedürfnisse berücksichtigt werden.

Nur in kleinen Gruppen können Defizite einzelner Kinder verbessert und die Chancengleichheit der Kids gewährt werden. Bei der Wahl der Kinderkrippe sollte daher unbedingt auf das Verhältnis Anzahl der Betreuer zu Kinder geachtet werden. Bei der Wahl der Krippe spielt die Größe der Räume oder die Menge der Spielsachen übrigens keine große Rolle. Eine überfüllte Einrichtung wäre zwar schlecht, was aber viel wichtig ist, ist eine gute Qualität der Spielsachen und die Raumgestaltung. Zur Raumgestaltung gehört Ordnung und Sauberkeit, aber auch eine interessante Raumgestaltung, die das Interesse des Kindes weckt.

Amazon ImageSpielecken und Spielvielfalt sind wichtig. Ebenso sind Verkleidungskisten nützlich. Diese regen die Kinder zu komplexen Rollenspielen an und fördern so die kindliche Kreativität. Ein wichtiger Punkt bei der Wahl der Krippe ist ebenfalls die Ausbildung und das Verhalten der Fachkräfte. Die Fachkräfte der Krippe sollten berufserfahren und motiviert sein. Sie müssen die Kinder respektvoll behandeln und nicht erniedrigen. Außerdem sollten sie auf die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder eingehen und Verständnis für Probleme der Kinder zeigen können.

Daneben muss auch die Unabhängigkeit und Selbstbestimmung der Kinder gefördert werden, genau so wie eine friedliche Konfliktlösung zwischen den Kindern. Zuletzt ist die Gestaltung des Tagesablaufs ein wichtiges Kriterium bei der Kitawahl. Beim Tagesablauf sollten sich Beschäftigung und Freispiel abwechseln. So können Kinder auch ihre eigenen Interessen ausleben und haben genügend Zeit um selbst Dinge zu erforschen und für sich zu spielen. Außerdem fordert dies die soziale Kompetenz zwischen den Kindern. Die Beschäftigung der Kinder dient dazu, die Fähigkeiten der Kinder zu fördern, die feinmotorischen Kompetenzen zu verbessern und die Kinder auf die Schule vorzubereiten. Daneben dienen auch Musizieren und Malen der Persönlichkeitsentfaltung der Kinder.

Die privaten Krippen fördern die Kinder oftmals besser als die staatlichen Krippen. Dort stehen manchmal auch schon Fremdsprachen oder ähnliches auf dem Tagesplan. Die Kinder werden individuell gefördert und erhalten meist eine gute Einzelbetreuung. Ein großer Minuspunkt der privaten Krippen ist der hohe monatliche Preis. Da private Krippen in der Regel nicht vom Staat bezuschusst werden, beträgt der monatliche Preis der privaten Krippen ein Vielfaches der staatlichen Krippen.

Bildquellen
Artikelbild: © panthermedia.net Arne Trautmann
Schweiz: © panthermedia.net Alexander Drechsel
Deutschland:© panthermedia.net Alexander Drechsel

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