Wenn Eltern zum Pflegefall werden

Eltern pflegen Eltern pflegen
Eltern pflegen

Eltern pflegen

Wenn Eltern zum Pflegefall werden, geht das für die Kinder im Regelfall mit einer großen psychischen Belastung einher.

Zum einen geht dem Nachwuchs das Leid der eigenen Eltern nahe; zum anderen stehen diese aber auch oftmals vor großen Problemen rechtlicher, familiärer und tatsächlicher Art.

Zunächst einmal geht es in vielen Fällen um die Frage, wo die eigenen Eltern überhaupt verbleiben sollen bzw. wer die Pflege für die Elternteile übernehmen kann. Ist diese Frage erst einmal beantwortet, stehen die Kinder, die ihre Eltern selbst pflegen oft vor nicht zu bewältigenden Herausforderungen. Die Betreuung von pflegebedürftigen Menschen ist nämlich äußerst anspruchsvoll. Der Laie ist hier regelmäßig überfordert. Deshalb muss in den meisten Fällen eine professionelle Hilfe her. Grund genug für uns einmal näher mit diesem Thema zu beschäftigen.

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Die verschiedenen Pflegemodelle

In Betracht kommen zu allererst stationäre Pflegeeinrichtungen, das Modell des „Betreuten Wohnens(Link öffnet PDF) und natürlich auch die Pflege in den eigenen vier Wänden. Welche Wahl zu treffen ist, hängt dabei oft und sehr viel von dem Gesundheitszustand der Eltern ab.

Der gravierendste Einschnitt für die pflegebedürftigen Elternteile ist gewiss die Aufnahme in einen stationären Bereich einer Pflegeeinrichtung.

Verlieren die Eltern doch in diesem Fall neben der ohnehin schon verlorenen Selbstständigkeit noch ihre eigene Wohnung. Weniger gravierend ist die Option des Betreuten Wohnens. Zwar verlieren die Eltern auch hier ihr ursprüngliches Umfeld, doch der Vorteil gegenüber der Unterbringung in einer stationären Einrichtung ist der, dass die Eltern im Prinzip nur umziehen. Sie beziehen im Prinzip nur eine neue Wohnung. Eingeschlossen in dieses neue Wohnumfeld ist dann allerdings auch ein professioneller Pflegedienst, der sich um sämtliche pflegerische Belange der Senioren kümmert. Demgegenüber steht der immense Vorteil einer Pflege zu Hause. Psychologisch unheimlich wertvoll ist insoweit die Tatsache des Verbleibs in dem gewohnten Umfeld.

Pflegemodell auswaehlen

Pflegemodell auswaehlen

Es stellt sich nun die Frage, welches Modell wann infrage kommt. Die Beantwortung dieser Frage ist natürlich von dem jeweiligen Einzelfall abhängig. Es gibt allerdings neben der eigenen Befindlichkeit der pflegebedürftigen Eltern ein festes Auswahlkriterium.

Dies ist der Grad der Pflegebedürftigkeit. Liegt beispielsweise ein Fall der Schwerstpflegebedürftigkeit vor, so wird die Tendenz eher in Richtung Aufnahme in eine stationäre Pflegeeinrichtung gehen. Ein Fall der Schwerstpflegebedürftigkeit oder ein Fall der Pflegestufe III liegt dann vor, wenn der jeweilige Elternteil an einem Tag durchschnittlich über einen Zeitraum von fünf Stunden Hilfe benötigt.

Zusätzlich müssen von diesen fünf Stunden vier Stunden für die sog. Grundpflege aufgewendet werden; und dieser konkrete Hilfebedarf muss prinzipiell 24 Stunden am Tag erforderlich sein. Dies zu bewältigen ist regelmäßig einer stationären Einrichtung vorbehalten.

[sws_yellow_box box_size=“640″]Im Falle der Pflegestufe II, d. h. der Schwerpflegebedürftigkeit, kommt je nach den Umständen des Einzelfalles die Aufnahme in die Betreute Wohnform oder auch noch eine Pflege in der eigenen Wohnung in Betracht. Eine Schwerpflegebedürftigkeit liegt bei einem erforderlichen Hilfebedarf von mindestens drei Stunden täglich vor, wobei zwei Stunden für die Grundpflege aufgewendet werden müssen. Zusätzlich muss der zeitliche Bedarf für die Grundpflege zu mindestens drei unterschiedlichen Zeiten gegeben sein.

Letztendlich hat noch der Bedarf nach einer hauswirtschaftlichen Hilfe mehrmals wöchentlich zu bestehen. In diesem Fall ist sicherlich die Wohnform des Betreuten Wohnens ein richtiges Modell. Aber auch die Pflege der Eltern in den eigenen vier Wänden dürfte mit professioneller Hilfe so noch zu bewerkstelligen sein. [/sws_yellow_box]

Liegt „lediglich“ die Pflegestufe I vor, also ein Fall erheblicher Pflegebedürftigkeit, dann spricht grundsätzlich nichts gegen die Möglichkeit einer Pflege zu Hause. Wenn nämlich an einem Tag im Durchschnitt für die Pflege ein zeitlicher Aufwand von (mindestens) 90 Minuten gefordert ist, von denen über die Hälfte der Zeit für mindestens zwei Verrichtungen für die Grundpflege benötigt werden, ist dies grundsätzlich im Rahmen einer häuslichen Pflege zu bewältigen. Dieser für die Pflegestufe I erforderliche Aufwand wird regelmäßig ohne Weiteres von einem professionellen ambulanten Pflegedienst realisiert.

Pflegestufe.abgelehnt

Fragen rund um die häusliche Pflege

Ungeachtet dessen gibt es natürlich auch jede Menge Fragen rund um die häusliche Pflege, denn auch diese will gut vorbereitet sein.

Haben sich die Kinder für einen ambulanten Pflegedienst entschieden, um die Eltern zu Hause pflegen zu lassen, bedarf es auch erst einmal der Auswahl eines kompetenten Pflegedienstes. Hier kann man sich nur zum Teil auf Empfehlungen Dritter verlassen.

Letztendlich benötigen die Angehörigen bzw. deren Eltern jedoch immer eine Portion Vertrauen. Der Unterschriftsleistung unter dem Vertrag sollte auf jeden Fall eine Beratung vorausgehen. Ein seriöser Pflegedienst berät ausführlich über die entstehenden Kosten und die Möglichkeiten der Finanzierung. Egal, wie hoch der Pflegebedarf für die Eltern ausfallen mag, eine Pflegestufe muss auf jeden Fall beantragt werden. Bereits dies sollte mithilfe des Pflegedienstes übrigens realisiert werden können, denn dieser kennt sich auch mit den rechtlichen Voraussetzungen aus.

Richtige Pflegestufen

Richtige Pflegestufen

Die Bedingungen für eine Eingruppierung in eine Pflegestufe, ist immer und in jedem Fall die Begutachtung durch den MDK. Bei dieser Begutachtung sollte auch im Falle der häuslichen Pflege ein kompetenter Mitarbeiter des Pflegedienstes anwesend sein. Denn der geschulte Mitarbeiter eines Pflegedienstes hat sich bereits vorab ein Bild von dem erforderlichen Pflegeaufwand gemacht und achtet darauf, dass der jeweilige Elternteil nicht die „falschen“ Antworten gibt.

Es hat die Erfahrung gelehrt, dass sich die Eltern gegenüber dem Gutachter gesundheitlich oftmals besser darstellen, als dies den objektiven Tatsachen entspricht. Dies kann im Zweifel zur Ablehnung der beantragten Pflegestufe führen.

Wichtig zu wissen ist auch, dass für die Pflegestufe I von der Pflegeversicherung monatlich 450,00 €, für die Pflegestufe II monatlich 1.100,00 € und für die Pflegestufe III monatlich bis zu 1.550,00 € gezahlt werden. Mit dem monatlichen Pflegegeld kann im Regelfall aber nicht die häusliche Pflege kostenmäßig abgedeckt werden. Hierzu bedarf es dann noch des Einsatzes der finanziellen Mittel der Eltern. Reichen diese nicht, so hat eine Finanzierung über den Träger der Sozialhilfe erfolgen. Auch hier sollte der beauftragte Pflegedienst rechtzeitig involviert werden. Zur Vermeidung einer Finanzierungslücke sind die entsprechenden Anträge unverzüglich zu stellen.

Pflegestufen – Erfolgt die Einstufung willkürlich?

Eine weitere Möglichkeit für die häusliche Pflege ist die Inanspruchnahme von Kombileistungen. Hier werden Pflegegeld und Pflegesachleistungen kombiniert. Im Rahmen der Pflegestufe I erhalten die Kinder als pflegende Angehörige 235,00 €.

Weitere Pflegesachleistungen werden von einem Pflegedienst erbracht. Bei diesem Modell haben die Kinder noch einen Anspruch auf den Rest des Pflegegeldes, soweit dieser nicht aufgebraucht worden ist.

Die Pflege durch die Kinder muss hier mindestens einen Umfang von 14 Stunden die Woche umfassen. Aber man muss dabei bedenken, dass durch diese Kombipflege auch zwangsweise viele weitere Kosten auf die Angehörigen zu kommen. Die komplette Einrichtung muss zuhause seniorengerecht gestaltet werden und einige Bedarfsgüter wie ein Gehstock, besondere Nackenkissen und nicht zuletzt oft auch ein elektrisches Bett, müssen in der Regel komplett selbstfinanziert werden.

Online einkaufen empfehlenswert

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Zwar kann man mittlerweile durchaus viele Produkte vom bekannten Onlinehändler Walzvital günstig über das Internet einkaufen, doch die finanzielle Belastung wird weiter hoch sein.

Es ist daher genau zu überlegen, ob man die Zeit und vor allem das Geld hat, die eigenen Eltern zuhause zu pflegen.

Selbstverständlich ist häusliche Pflege sehr wünschenswert, doch es muss auch realisierbar sein, ohne das die Familie daran zerbricht oder sich schlicht übernimmt.

Fazit: Die Pflege in der eigenen Wohnung der Eltern ist sicherlich, soweit machbar, also immer zu favorisieren. An der Einschaltung eines kompetenten Pflegedienstes werden Kinder im Regelfall aber wohl nicht vorbeikommen. Dazu sind die Probleme und Fragen rund um die Pflege zu komplex. Mithilfe eines Pflegedienstes wird eine häusliche Pflege regelmäßig optimal gestaltet. Die Eltern bewahren hierdurch noch ein gutes Stück ihrer Lebensqualität. Wie ist deine Meinung zu diesem Thema? Kommentare sind gerne gesehen.

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Artikelbild: ©panthermedia.net Michiko Nomoto
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