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Mama macht Karriere – Utopie oder machbar?

Wir schreiben das Jahr 2018 und befinden uns längst in der Phase des Post-Feminismus. Trotzdem – oder deshalb? – tappen immer noch viele Mütter in Deutschland in die „Mutterschaftsfalle“. Ein Kind zur Welt zu bringen, es zu begleiten, zu fördern und aufwachsen zu sehen, das ist der Wunschtraum aller Eltern. Dass dieser sehr oft an der Wirklichkeit scheitert, ist ebenso eine Tatsache wie die Problematik, dass es noch immer zumeist die Frauen sind, deren berufliche Zukunft an der Elternschaft größeren Schaden nimmt als jene der Väter.

Viele Frauen haben den Wunsch, sich nach der Geburt eines Kindes ausschließlich auf ihr Baby zu konzentrieren. Das ist gut und richtig, doch vergessen manche Mamas in dieser Zeit ganz auf sich selbst, ihre Bedürfnisse und vor allem ihre finanzielle Absicherung in der Zukunft. So kann der Mutterschaftsurlaub zur Falle werden, aus der es keinen Weg mehr zurück an den Arbeitsmarkt gibt.

Prekariat und Altersarmut stehen im Raum, wenn Frauen nach der Geburt eines Kindes ihre berufliche Rückkehr nicht planen und dann ganz aus den Augen verlieren. Oft geben sich hoch qualifizierte Frauen mit schlecht bezahlten Teilzeitjobs zufrieden, um der Aufgabe ihrer Mutterschaft nachkommen zu können. Vor allem alleinerziehende Mütter sind auf diese Weise in einem Teufelskreis gefangen, der sich nur schwer durchbrechen lässt.

Mutterschaftsurlaub planen – vor der Geburt!

Während viele Frauen glauben, die Schwangerschaft wäre anstrengend und würde ihnen alle Energie rauben, haben sie noch keine Ahnung davon, wie es erst ist, wenn das Kind erst einmal auf der Welt ist. Es empfiehlt sich daher, einen beruflichen Wiedereinstieg rechtzeitig vor der Geburt sorgfältig zu planen, denn hinterher werden Zeit und Energie zur Mangelware. Gerne schiebt man das Thema vor sich her. Einerseits, weil viele Frauen insgeheim hoffen, dass sie Mütter bleiben dürfen, sprich, der Partner für das Familieneinkommen sorgen wird. Andererseits sind vor allem die erste Schwangerschaft und danach die Säuglingszeit körperlich und emotional so überwältigend und fordernd, dass für das Thema Beruf und Finanzen kein Raum mehr bleibt.

Was dabei oft verdrängt wird, sind zwei Faktoren: Erstens kann und darf eine Frau sich nicht finanziell auf ihren Partner verlassen. Es geht dabei nicht nur um eine mögliche Trennung, sondern vor allem auch um die Möglichkeit, dass der Partner seine Arbeit verlieren könnte, krank werden könnte oder andere Umstände es notwendig machen, dass die Frau finanziell für die Familie sorgt. Zweitens wird in der Zukunft unser Rentensystem so gestaltet sein, dass selbst Gutverdiener unter Umständen nur eine sehr kleine Rente beziehen werden. Wie dann eine Witwenrente oder jene einer Frau mit zu wenigen Beitragsjahren aussieht, ist klar. Es steht also in jedem Fall im Raum, dass Mütter für sich selbst und ihre Zukunft sorgen müssen; die Gestaltung dieser Zukunft sollte so früh wie möglich beginnen, im Idealfall gleich zu Beginn einer Schwangerschaft.

Möglichkeiten nicht idealisieren, sondern realistisch analysieren

Arbeit vorbereiten | © panthermedia.net / michaeljung

Arbeit vorbereiten | © panthermedia.net / michaeljung

Viele Frauen machen sich noch während der Schwangerschaft Illusionen darüber, dass sie ohne Zweifel wieder in ihren „alten“ Job einsteigen können, dass alles schon „irgendwie gehen wird“. Mama schafft das – oder auch nicht. Das ist einer der Hauptgründe dafür, dass werdende Mütter sich nicht genug und nicht sinnvoll auf die Zeit als Mutter vorbereiten. Werdende Mamas sind sich oft einfach nicht im Klaren darüber, wie sie sich ein Leben mit Kleinkindern vorzustellen haben. Dinge werden idealisiert, auch die eigenen Möglichkeiten und Kräfte. Anstatt sich objektiv mit dem Thema Zeitplanung und Jobchancen als Mutter zu beschäftigen, beschönigen viele Frauen die Sache einfach – frei nach dem Motto: „Ich bin ja dieselbe, also warum soll es mit Kind anders sein als ohne?“

Erst einige Monate nach der Geburt wird dann oft klar, dass ein Einstieg in den alten Job undenkbar ist. Arbeitszeiten jenseits der acht Stunden täglich sind längst Realität – und Säuglinge bzw. Kleinkinder so lange in der Obhut einer Nanny zu lassen, ist zumeist unfinanzierbar. Abgesehen davon, dass es kaum Betreuungseinrichtungen gibt, die so kleine Kinder übernehmen, und schon gar nicht bis in die späten Abendstunden. Das Ergebnis dieser Nicht-Planung sind oft längere Zeiten der Arbeitslosigkeit und danach Einstieg in schlecht bezahlte Teilzeitarbeit. Besonders für qualifizierte Frauen bedeutet das nicht nur finanziell einen schmerzlichen Abstieg, sondern auch emotional.

Offen über Geld reden

Am Beginn einer Planung sollte für jede angehende Mutter – so unangenehm und peinlich das auch sein mag – die ehrliche Analyse der Finanzen stehen. Offene Gespräche mit allen Beteiligten und jenen, die im Ernstfall finanziell aushelfen sollen, sind unbedingt anzuraten. Nicht nur der Partner, auch Großeltern und Geschwister können in die Planung der finanziellen Zukunft mit einbezogen werden. Kinder kosten sehr viel Geld – viel mehr, als man zu Beginn einer Familienplanung glauben mag. Hier beginnt es, spannend zu werden.

Werdende Mütter können und sollen sich darüber im Klaren sein, dass die Planung einer neuen beruflichen Zukunft unter Umständen auch eine Weiter- bzw. Fortbildung bedeutet, vielleicht sogar eine Umschulung. Hochwertige Ausbildungen sind selten umsonst, und auch die Kosten für eine solche sollten rechtzeitig bedacht und in das Familienbudget mit eingeplant werden. Im Idealfall überlegt eine werdende Mutter sich schon früh, welche Möglichkeiten und Ausbildungen ihr offenstehen, wo und in welcher Form diese angeboten werden und wie viel das kosten wird.

Weiterbildung vorausschauend einplanen

Ideal für Frauen im Mutterschaftsurlaub sind Weiterbildungen, die entweder in den Abendstunden oder geblockt angeboten werden. Es ist leichter, die Großeltern, Tante oder Onkel für ein paar Tage am Stück als Betreuung zu organisieren, als täglich für vier Stunden. Deshalb sind Ausbildungen in Form von Blockveranstaltungen oder Seminaren für eine Mutter organisatorisch viel besser zu managen. Auch Weiterbildungsmaßnahmen, die als Abendveranstaltungen angeboten werden oder eine Weiterbildung die zum Teil über das Internet realsiert werden kann sind passend, denn in diesem Fall kann dann oft der Partner die Betreuung des Kindes übernehmen. Es gilt also, sich nach qualitativ hochwertigen Ausbildungsinstituten umzusehen, die eine solche Zeitplanung ausdrücklich ermöglichen.

Die Idealvorstellung eines Instituts, das gleich eine angeschlossene Säuglingskrippe hat, ist noch nicht umgesetzt. Mütter müssen sich also mit dem zurechtfinden, was der Markt hergibt. Doch gerade im Bereich der Fortbildungen – Stichwort: lebenslanges Lernen – hat sich in den letzten Jahren in Deutschland viel getan. Gerade, weil es jetzt eine Vielzahl an Anbietern und Möglichkeiten gibt, gilt es, selektiv vorzugehen und sich gut umzusehen. Nicht jeder Anbieter hält in der Qualität, was er verspricht. Dennoch ist es wichtig, bei der Zeitplanung so vorzugehen, dass möglichst kurze Wege und passende Zeiten für die Ausbildung beachtet werden.

Späteres Berufsbild gut durchdenken

Bei der Wahl der Fortbildung sollte man nicht nur auf seine persönlichen Vor-Qualifikationen und Neigungen achten, sondern vor allem auch darauf, wie ein späteres Berufsfeld zum anderen Job, der Mama, passen wird. Es hat wenig Sinn, Geld und Zeit in eine Weiterbildung zu investieren, wenn in diesem Bereich dann wieder nur Jobs angeboten werden, die mehr als Fulltime-Verfügbarkeit erfordern. Idealerweise wird das zukünftige Berufsfeld eine zeitlich flexible Einteilung ermöglichen, sodass vor allem an den Nachmittagen bzw. frühen Abenden noch Zeit für die Kinder bleibt.

Und zwar für viele Jahre, denn auch ältere Kinder wollen und sollen etwas von ihren Eltern haben. Alles nicht so einfach, so viel ist klar. Doch mit der richtigen Planung und einem realistischen Blick auf die persönlichen Möglichkeiten ist vieles machbar, wovon man zuvor kaum zu träumen gewagt hat. Und eine Frau, die stolz auf sich selbst ist, wird auch eine coole Mama sein!

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